Prussiana

Gestern hat mich Francesco schon um halb zwei abgeholt, und wir sind in den Poggetto schwimmen gefahren, wo ich am Freitag schon war. Wir haben uns dort mit Fabio getroffen, bei dem wir schon das Spiel Italien gegen die USA vorletzte Woche Samstag geguckt hatten. Die beiden brachten mir eine neue Vokabel bei: prussiano (preußisch) bzw. piscina prussiana (preußisches Schwimmbad); denn man durfte echt nichts in diesem Schwimmbad machen. Da gerade Vereinssport angesagt war, durfte man nur mit Badekappe ins Becken, aber Francesco und ich hatten natürlich keine. Außerdem durfte man von keiner Seite vom Beckenrand springen. Es gab keine Liegewiese, nur harten Stein, wo man sich sonnen konnte, aber die Schuhe musste man in der Umkleide lassen.

Wir holten uns an der Bar ein Eis und was zu trinken, aber das durften wir auch nicht am Handtuch, sondern nur an der Bar. Na ja, Fabio hat mir dann einmal seine fesche Bademütze ausgeliehen, und ich bin ein paar Bahnen geschwommen, aber ich konnte es mir nicht verkneifen, einmal einen geschmeidigen Kopfsprung zu machen. Hat aber auch niemand was gesagt. Irgendwann fing ein Wassergymnastik-Kurs an und wir wurden gebeten, die Anlage zu verlassen. Da durfte dann niemand anderes mehr da sein… Ach ja, sie hatten uns zwischendurch auf die Hausordnung aufmerksam gemacht, die an der Kasse aushängt. Die haben wir uns dann danach mal angeschaut. Hehe, wir haben bestimmt gegen die Hälfte der Regeln verstoßen! Z.B. habe ich endlich mal wieder Fotos gemacht, Francesco hat am Handtuch geraucht, ich habe mich auf dem Handtuch umgezogen statt in der Umkleide, usw. Wirklich zu lustig.

Danach kam Francesco noch mit zu mir, und wir setzen uns mit einem Bierchen bei uns auf die Terrasse und er erzählte ein bisschen von Giuglia. Der Arme! Sie hat ihm gesagt, dass sie ihn nie geliebt hat, sondern sich nur körperlich zu ihm hingezogen fühlte, aber das ist ja eigentlich auch ein Kompliment. Jetzt ist also definitiv Schluss. Aber Francesco hatte schon gestern Abend ein neues Date, also muss ich mir keine Sorgen um ihn machen.

Mena und Lorenzo waren gestern zur Cena bei Freunden, und so ging ich vorher mit den beiden noch Einkaufen, damit ich mir noch was Leckeres kochen konnte. Es gab ein schönes Stück Fleisch in der Pfanne gebraten, mit Pommes und Spinat, also nichts Aufregendes. Aber danach gab’s Open-Air-Kino im Poggetto. Ich schaute mir da – leider allein (obwohl, vielleicht besser) – „Memorie di una Geisha“ an. Ein sehr beeindruckender Film. Und ich bin sehr stolz auf mich. Ich habe wirklich fast alles verstanden. Selbst den Passagen, wo die Geisha mit der Sprache gespielt hat, um ihre Konkurrentin auszuspielen, konnte ich ohne große Probleme folgen. Der Film war sehr lang, und so war ich erst um eins aus dem Kino, und Francesco schrieb auch, dass er schon im Bett wär (ein Sprachspiel? Alleine oder mit dem Date?), und so ging ich auch nach Hause.

Ein Gedanke zu „Prussiana

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