Meine verpasste Chance beim AWD-Nachfolger Swiss Life Select

Vergangene Woche bekam ich per Xing ein Jobangebot, das mich doch ein wenig stutzig gemacht hat:

Lieber Herr de Stefano,
als selbständiger Unternehmer betreibe ich aktives Personal-Recruiting und wurde dabei auf Ihr Profil aufmerksam.
Für die weitere Verstärkung unserer Finanzkanzlei in Köln/Düsseldorf suchen wir engagierte, kontaktfreudige und zielstrebige Menschen. Mein erster Eindruck von Ihnen deckt sich mit unseren Anforderungen. Allerdings kann dies ein persönliches Gespräch nicht ersetzen. Sollten Sie daher einem sehr guten Angebot positiv und offen gegenüberstehen, freue ich mich auf Ihre Antwort.
Beste Grüße, xxx

Das Angebot kam von einem selbstständigen Vertiebler der Swiss Life Select und hat mich deshalb stutzig gemacht, weil ich Bauingenieur bin und mit der Finanzwelt beruflich ziemlich wenig zu tun habe.

Ein Klick bei meinem Suchanbieter ergab, dass die Swiss Life Select das Nachfolgeunternehmen des von Mr. Unsympath Carsten Maschmeyer gegründeten Unternehmen AWD ist.

Für die jüngeren Leser unter euch: Carsten Maschmeyer hat in den 90er Jahren mutmaßlich die Wahlkämpfe von Gerhard Schröder unterstützt, ihm damit zur Kanzlerschaft verholfen und durfte 2002 mutmaßlich als Gegenleistung die Rentenreform nach seinen Wünschen diktieren. Seine Produkte passten dadurch genau auf die neuen Gesetze, Carsten Maschmeyer wurde steinreich und tausende Menschen schlossen eine für sie wertlose private Zusatzrente ab, weil die SPD bei der gesetzlichen Rente ordentlich kürzte (Warum die Riesterrente scheiße ist, erfährt man mit wenigen Klicks im Netz).

Die Niedersachsen-Connection

Und für so ein Drecksunternehmen soll ich arbeiten? Ernsthaft? Ich soll zu den Verlierern der Gesellschaft gehen und ihnen noch die letzten Euros aus den Taschen abschwatzen. Und wenn ich gut bin, viele Verträge abgeschlossen habe und noch ein paar mehr dumme Vertreter angeworben habe, habe ich in diesem Schneeballsystem sogar die Chance, Karriere zu machen?

Sorry, ich wurde schon vor 15 Jahren von einem AWDler angesprochen und der konnte mich nicht überzeugen, diese einmalige Gelegenheit zu ergreifen und mit 35 Jahren mit vollen Taschen auszusteigen und mit der eigenen Yacht zu fahren. Verdammt, jetzt bin ich 35 und fahre nur Fahrrad und meine Kinder haben die Taschen voll – also mit Kieselsteinen und Duplo-Figuren…

Er selbst ist nach zwei Jahren ausgestiegen. Mit einem Haufen Schulden (ja, wenn ein Vertrag platzt, muss man die Provision wieder zurückbezahlen, auch ein Jahr später noch!) und einem geschrumpften Freundeskreis (in seiner Verzweiflung hatte er ziemlich erfolglos versucht, seiner Familie und seinen Freunden Versicherungen anzudrehen und sie ebenfalls als Vertreter anzuwerben).

Kleiner fun-fact am Rande: Den AWD-Aussteigern wurde gerichtlich untersagt, ihre Erfahrungen im Netz zu veröffentlichen…

Also:

Lieber Herr xxx,

ihr sehr „gutes Angebot“ können Sie sich gerne sonstwo hinschieben. Ich habe kein Interesse daran, Teil eines Schneeballsystems zu werden, in dem man nur erfolgreich wird, wenn man einerseits mit allen Mitteln ahnungslosen Menschen schwachsinnige Versicherungspolicen verkauft und andererseits ahnungslose Menschen dazu anwirbt, selbst anderen ahnungslosen Menschen schwachsinnige Versicherungspolicen zu verkaufen.

Ihr Unternehmen war vor 20 Jahren als AWD schon beschissen und ist mit dem neuen Namen nicht besser geworden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrem Leben und hoffe, dass Sie erkennen, welche Werte wirklich im Leben zählen.

Mit freundlichen Grüßen aus Köln,

André De Stefano

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