Das Geschäft geht vor

Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht.

– Konfuzius

Gestern hat die Tagesschau über den 100-Tage-Plan vom neuen amerikanischen Präsidenten berichtet. Trump möchte sich demnach wirtschaftlich von internationalen Abkommen lösen und eine nationale Wirtschaftsunion stärken. Außerdem will er Umweltauflagen lockern und die gesetzliche Krankenversicherung schwächen. Diese Maßnahmen sollen Arbeitsplätze schaffen und Amerika gegenüber anderen Wirtschaftsräumen stärken.

Das möchte ich jetzt gar nicht bewerten, viel interessanter fand ich in diesem Zusammenhang den ausführlichen Beitrag der Tagesschau, wie deutsche Unternehmen trotz diesesr Maßnahmen sehr gute Geschäfte machen können. Dazu wurden drei Beispiele genannt:

  1. Bilfinger: Der Bauriese hofft darauf, bei der Erschließung weiterer Öl- und Gasvorkommen in den USA seine Technik und Expertise verkaufen zu können. Wenn Trump z.B. das umstrittene, weil umweltbelastende Fracking bundesweit genehmigt, kann Bilfinger damit viel Geld verdienen.
  2. Aesculap: Der Medizintechnik-Hersteller beschwert sich in dem Beitrag über die Preisbremse für seine Produkte aufgrund der von Obama eingeführten gesetzlichen Krankenversicherung (kennen wir aus Deutschland: Privatpatienten zahlen für die gleiche Leistung ein Vielfaches des Beitrags, den die Krankenkassen für ihre Mitglieder zahlen). Das könnte sich ändern, wenn die gesetzliche Krankenkasse in den USA gelockert wird, so dass Aesculap mit ihren Produkten wieder sehr viel Geld verdienen kann.
  3. Heckler & Koch: Mein Lieblingsbeispiel, hauptsache Geschäfte machen! Mit Trump als Präsident verspricht sich die deutsche Rüstungsindustrie weitere Abkommen, um noch mehr Waffen verkaufen zu können. Also an amerikanische Unternehmen. Keine Sorge, die werden nicht eingesetzt. Also nicht in den USA… Dafür wahrscheinlich in Kolumbien. Um die Guerillakämpfer dort auszurüsten, die die Gewerkschafter in den Kohlebergwerken (mund-)tot machen sollen. Dann kann man dort noch günstiger Kohle abbauen und günstigen Kohlestrom in den USA produzieren.

Nach dem Beitrag die Aktienkurse. Die Börse hat sich wieder erholt, die Superzahl lautet 42.

Geschäfte gehen vor Umwelt, Gesundheit und Frieden

Geschäfte gehen vor Umwelt, Gesundheit und Frieden

Was sollte denn dieser Beitrag bitte bewirken, liebe Tagesschau. Es kann uns egal sein, welcher Präsident die USA regiert, hauptsache die Geschäfte laufen? Scheiß auf Umwelt, Gesundheit, soziale Standards und Frieden, hauptsache die deutschen Unternehmen machen dadurch Profit? Um dann an Weihnachten wieder Geld einzusammeln für die Opfer von Umweltkatastrophen, Ausbeutung und Krieg? Oder nächstes Jahr wieder über die überaschenderweise angestiegenden Flüchtlingszahlen nach Europa zu berichten, die niemand voraussehen konnte?

Ich will nicht behaupten, dass Hillary Clinton der angenehmere Weltpolitiker geworden wäre, oder dass Donald Trump das Monster ist, zu dem er in den Medien gemacht wurde. Für so eine Beurteilung liegen mir zu wenige Informationen vor (im Wahlkampf wurden beide Kandidaten hauptsächlich auf ihre Persönlichkeit hin beurteilt).

Aber mal ganz ehrlich: mit eurer Argumentationskette kann man auch Geschäfte mit den übelsten Unrechtsregimen auf der ganzen Welt rechtfertigen.

Ach so, stimmt… Wird ja längst gemacht:

  • Ägypten
  • China
  • Iran
  • Jemen
  • Kongo
  • Myanmar
  • Nigeria
  • Oman
  • Pakistan
  • Saudi-Arabien
  • Simbabwe
  • Syrien
  • Thailand
  • Türkei
  • Venezuela
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Weißrussland
  • Zentralafrikanische Republik

Nur zu Geschäftsbeziehungen mit Nordkorea konnte ich auf die Schnelle nichts finden. Obwohl, wer weiß…

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