{"id":99,"date":"2006-06-17T18:00:03","date_gmt":"2006-06-17T17:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/atvolution.de\/?p=99"},"modified":"2012-01-03T18:08:18","modified_gmt":"2012-01-03T17:08:18","slug":"am-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/leben\/am-meer","title":{"rendered":"Am Meer"},"content":{"rendered":"<p>Ein unglaublich sch\u00f6ner Tag. Francesco hat mich gegen elf abgeholt &#8211; er war um halb zw\u00f6lf da. Bei den Italienern ist es n\u00e4mlich so: Man sagt nicht: \u201eIch hol\u2018 dich um elf ab\u201c, man sagt: \u201eIch hol\u2018 dich mehr oder weniger um elf ab.\u201c (<em>Ti<\/em> <em>prendo<\/em> <em>alle undici, pi\u00f9<\/em> <em>o meno.<\/em>) Also hab ich in Ruhe noch meinen Milchkaffee getrunken und mein Schoko-M\u00fcsli gegessen und dann sind wir gefahren. Na ja, erstmal sind wir noch in Florenz an einen Auto-Grill gefahren, damit der Francesco seinen zweiten\u00a0Caff\u00e8 trinken und seine ich-wei\u00df-nicht-wie-vielte Zigarette rauchen konnte. Ich hab mich mit ner Cola begn\u00fcgt.<\/p>\n<p>Von Florenz bis zum Meer sind es knapp 100 km. Bei Empoli (eine Viertelstunde von Florenz) wurde angezeigt, dass auf dem Weg nach Pisa eine Baustelle sei und es dort ca. 7 km Stop-and-Go geben wird. Also sind ALLE Italiener inkl. uns eine Ausfahrt vorher raus gefahren, um die Stelle zu umfahren. Mit dem Resultat, das wir ungef\u00e4hr 10 km Stop-and-Go hatten. Wieder auf der Bundesstra\u00dfe zur\u00fcck &#8211; die Autobahn muss man schlie\u00dflich bezahlen &#8211; riefen dann die beiden Freundinnen von Francesco an. Sie waren mittlerweile auch unterwegs und so verabredeten wir uns an einem weiteren AutoGrill kurz vor Pisa. Da es auch schon kurz vor eins war, a\u00dfen wir ne Kleinigkeit und fuhren dann weiter Richtung Meer.<\/p>\n<p>Dummerweise sagte ich, dass ich nach dem Essen einen Caff\u00e8 vertragen k\u00f6nnte &#8211; ich hatte da an eine nette Strandbar gedacht &#8211; und so fuhren wir umgehend in die n\u00e4chste Bar. Es ist unglaublich, wie viel man in Deutschland f\u00fcr Kaffee bezahlt. Mal abgesehen von den Touristenzonen in den gro\u00dfen St\u00e4dten zahlt man hier maximal einen Euro f\u00fcr einen Cappuccino. Dort zahlte ich nur 85 Cent! Und der schmeckt hier richtig gut. Mit aufgedampfter Milch und frisch gemahlenem Espresso.<\/p>\n<p>Endlich Meer. Nach ein paar Runden, um einen kostenlosen Parkplatz zu finden, fanden wir ein sch\u00f6nes Pl\u00e4tzchen an einem \u00f6ffentlichen Strand. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der K\u00fcste ist n\u00e4mlich in privater Hand. Hier reihen sich tausende Sonnenschirme und Strandliegen, die man f\u00fcr teuer Geld mieten kann &#8211; wo dann allerdings nur eine handvoll Menschen liegen.\u00a0Nur alle paar hundert Meter gibt es kleine Abschnitte, die zur freien Verf\u00fcgung stehen. Na, wenigstens kann man die ganze K\u00fcste entlang am Meer spazieren gehen. Da lob\u2018 ich mir doch Sardinien. Da gibt es die sch\u00f6nsten Str\u00e4nde noch v\u00f6llig unber\u00fchrt, h\u00f6chstens ne Strandbar mit Dusche gibt es da.<\/p>\n<p>Die eine Freundin &#8211; Sylvia &#8211; stellte sich als Francescos romanzata heraus. Also muss ich nicht weiter spekulieren. Wir verbrachten einen sehr gem\u00fctlichen Nachmittag am Strand. Viel Sonne, Baden, Lesen, ein Eis, ein ausgiebiger Spaziergang und viel Faulenzen. Ich merke mal wieder, dass man eine Sprache wirklich am besten im Land selber lernt. Wo lernt man sonst so sch\u00f6ne Worte wie\u00a0<em>una canna<\/em> (ein Joint) oder <em>il<\/em> <em>ex-marito<\/em> (der Ex-Ehemann), oder so sch\u00f6ne Sprichw\u00f6rter wie\u00a0<em>un cavallo donato<\/em> <em>non si guarda nella bocca<\/em> (Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul)?<\/p>\n<p>Die beiden M\u00e4dels lie\u00dfen wir dann am Strand zur\u00fcck, schlie\u00dflich wollten wir das Italien-Spiel gucken. Nach einer unaufregenden R\u00fcckfahrt, die ich schlummernd auf dem Beifahrersitz verbrachte &#8211; die Sonne und das Meer machen ganz sch\u00f6n m\u00fcde &#8211; brachte mich Francesco nach Hause, wo ich schnell duschte und mir noch zwei Brote und was S\u00fc\u00dfes rein pfiff. Ich hatte m\u00e4chtig Kohldampf und hoffte, dass es bei Francescos Freunden noch ein paar Chips zum Knabbern geben w\u00fcrde. Francesco holte mich dann kurz vor neun ab, und wir d\u00fcsten \u00fcber ausgestorbene Stra\u00dfen zu unseren Gastgebern. Wo hatte ich gedacht, dass ich bin? Warum hatte ich diese beiden Brote gegessen? Wir waren zwar nur zum Fu\u00dfballgucken verabredet, aber die Gastgeber &#8211; auch Arbeitskollegen von der Bruna &#8211; hatten ne kleine Party draus gemacht und es gab nat\u00fcrlich all die bekannten piatti: Salat, Nudeln, gef\u00fcllte Teigtaschen, s\u00fc\u00dfes Geb\u00e4ck mit Ananas und einen Lik\u00f6r zum abrunden. Und Chips nat\u00fcrlich auch. Ach so, und Fu\u00dfball gab es \u00fcbrigens auch. Italien hat miserabel gespielt und den USA ein Unentschieden geschenkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein unglaublich sch\u00f6ner Tag. Francesco hat mich gegen elf abgeholt &#8211; er war um halb zw\u00f6lf da. Bei den Italienern ist es n\u00e4mlich so: Man sagt nicht: \u201eIch hol\u2018 dich um elf ab\u201c, man sagt: \u201eIch hol\u2018 dich mehr oder weniger um elf ab.\u201c (Ti prendo alle undici, pi\u00f9 o meno.) 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