{"id":97,"date":"2006-06-16T17:52:40","date_gmt":"2006-06-16T16:52:40","guid":{"rendered":"http:\/\/atvolution.de\/?p=97"},"modified":"2012-01-25T15:53:20","modified_gmt":"2012-01-25T14:53:20","slug":"cascine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/leben\/cascine","title":{"rendered":"Cascine"},"content":{"rendered":"<p>Sie wollte es so. Bei mir darf jeder machen, was er will. Sie hat es selbst so gewollt. Da kann ich auch nichts f\u00fcr. Jetzt ist sie tot.<\/p>\n<p>Letzte Nacht nach dem Schreiben lag ich ganz unbedarft im Bett und hatte so das Buch in meinen H\u00e4nden, da sp\u00fcrte ich pl\u00f6tzlich einen kaum wahrnehmbaren Schmerz auf dem rechten Oberschenkel. Geistesgegenw\u00e4rtig haute ich zu und erwischte das Mistst\u00fcck voll auf die Zw\u00f6lf. Die angebliche Kapitulation war wohl nur eine Finte gewesen, um mich in Sicherheit zu wiegen. Eine Nacht Ruhe und dann: Hinterh\u00e4ltiger Angriff, ganz unsportlich. Aber ich bin da schlie\u00dflich kein Anf\u00e4nger mehr. So nicht! Nicht mit mir!<\/p>\n<p>Heute hat mich mein innerer Wecker (ist kein Witz) wieder p\u00fcnktlich um zwanzig nach zehn aus den Federn geholt. Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck auf der Terrasse &#8211; Schoko-M\u00fcsli mit Pfirsichen, Nuti-Brot, Marmeladen-Croissant und Milchkaffee &#8211; schaffte ich es dann auch mal vor der Mittagspause aus dem Haus. Der Himmel war ein wenig bew\u00f6lkt, aber die Mittagshitze dr\u00fcckte trotzdem ganz sch\u00f6n. So kam ich schon halb durchgeschwitzt um halb Eins im Centro TIM an, und konnte mir endlich eine Prepaid-Karte f\u00fcrs Handy kaufen. Also, ab jetzt bin ich tags\u00fcber (ab zwanzig nach zehn) unter folgender italienischer Nummer erreichbar:<\/p>\n<p>0039-339-8859927<\/p>\n<p>Die deutsche Karte werde ich nur noch abends einlegen, um eventuelle SMS zu lesen.<\/p>\n<p>Die eine Stunde au\u00dfer Haus hatte mich schon so m\u00fcde gemacht, dass ich mich erstmal wieder in der dunklen, k\u00fchlen Wohnung verkroch, um ein bisschen am Rollenspiel zu arbeiten. Ich hab eben in den Nachrichten mitbekommen, dass das wohl der Scirocco-Wind ist, der so auf Italien dr\u00fcckt. In Sizilien haben sie schon fast vierzig Grad tags\u00fcber! Aber die Mena hat es echt raus, die Wohnung k\u00fchl zu halten. Die macht morgens schon alle Fenster zu und die Rolll\u00e4den runter, so dass die Sonne gar keine Chance hat, mit ihrer W\u00e4rme ins Innere zu gelangen. So haben wir hier auch mittags noch angenehme 24-25 Grad. Ich hab heute mitbekommen, dass es in K\u00f6ln wohl wieder am regnen ist. Tja, perfekt geht wohl nie. Hier zu hei\u00df, zu Hause regnet\u2018s. Verr\u00fcckte Welt!<\/p>\n<p>Heute Nachmittag bin ich wieder in die Cascine gepilgert. Diesmal nicht im Jogging-Dress sondern mit Handt\u00fcchern, Picknick, Musik, Buch und Ringbuch bewaffnet. Auf dem Weg hab ich noch versucht, nen APS-Film zu kaufen, aber der Fotoladen um die Ecke hatte nur die herk\u00f6mmlichen, und in die Stadt wollte ich nicht laufen. Na, da werd ich wohl morgen fr\u00fch noch schnell in die City flitzen, bevor mich der Francesco abholt. In den Cascine suchte ich mir dann ein sch\u00f6nes sonniges Pl\u00e4tzchen am Arno-Ufer, wo ich ungest\u00f6rt lesen und schreiben konnte. Na ja, so richtig ungest\u00f6rt war ich nicht. Immer wieder krabbelte und kroch es auf mir herum und ich nahm noch ein paar weitere kleine, juckende Insektenstiche mit nach Hause. Zum Gl\u00fcck haben Mena und Lorenzo ne gute Anti-Juck-Creme im Bad stehen.<\/p>\n<p>In den Cascine blieb ich bis um Sieben, dann ging ich doch noch kurz in die Stadt, aber ein viel versprechender Fotoladen hatte schon zu und ein anderer hat wegen Ferien geschlossen. In der Hauptsaison? Viel mehr gab\u2018s heut nicht. Zum Abendessen hat die Mena lecker Omelette mit Mozzarella gemacht und Argentinien hat 6:0 gegen Serbien-Montenegro gewonnen. Morgen fahr ich mit Francesco ans Meer. Da freu ich mich schon riesig drauf. Und morgen Abend gibt\u2018s Italien gegen die USA garantiert auf Gro\u00dfleinwand!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie wollte es so. Bei mir darf jeder machen, was er will. Sie hat es selbst so gewollt. Da kann ich auch nichts f\u00fcr. Jetzt ist sie tot. 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