{"id":440,"date":"2010-08-12T10:10:33","date_gmt":"2010-08-12T09:10:33","guid":{"rendered":"http:\/\/atvolution.de\/?p=440"},"modified":"2012-08-14T14:22:56","modified_gmt":"2012-08-14T13:22:56","slug":"zweiter-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/leben\/zweiter-tag","title":{"rendered":"Zweiter Tag"},"content":{"rendered":"<p>Gestern bin ich schon vor meinem Wecker aufgewacht. Drau\u00dfen schien die Sonne und irgendwer fr\u00fchst\u00fcckte lauthals auf seiner Terrasse. Ich werde Fr\u00fchaufsteher nie verstehen!<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck hier im Hotel ist richtig gut. Frische Br\u00f6tchen, Brot und Croissants, Blechkuchen, hochwertiger Aufschnitt und K\u00e4se, Lachs, Eier in jeder Variation, gebratener Speck und frisches Obst, M\u00fcsli, Joghurt und verschiedene S\u00e4fte. Leider gab\u2019s keinen Latte Macchiato, aber man kann nicht immer alles haben.<\/p>\n<p>Fast alle Tische waren an der langen Fensterfront platziert, so dass man auf die absch\u00fcssige Stra\u00dfe sehen konnte. Viele Touristen haben sich f\u00fcr ihren Urlaub offensichtlich ein Fahrrad gemietet und ich konnte beobachten, wie sie sich ganz vorsichtig und mit angezogener Bremse in ungewohnter Haltung den H\u00fcgel zum S\u00fcdstrand hinunterrollen lie\u00dfen. In der Gegenrichtung fuhr fast niemand. In einer langen Kette schoben sie hintereinander ihre R\u00e4der hinauf. Vielleicht sollten die auch mal den Rest des Jahres Radfahren\u2026<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck hatte ich Lust zu joggen. Ich sagte an der Rezeption Bescheid, dass ich das Zimmer noch zum Duschen br\u00e4uchte. Kein Problem. Die Fr\u00fchst\u00fccks-Crew ist gleichzeitig auch die Zimmer-Crew und die mussten erst den Fr\u00fchst\u00fccksraum fertig machen bevor sie in den Zimmern weitermachten.<\/p>\n<p>Auf GoogleMaps plante ich meine Route. Den Weg bis nach Lobbe, dann der Stra\u00dfe Insel einw\u00e4rts und zum Schluss an der Abzweigung wieder \u00f6stlich zur\u00fcck nach G\u00f6hren sind knapp 10 Km. Eine sch\u00f6ne Strecke. Als ich loslief, schien die Sonne. Bis zum Museumsschiff sind es nur ein paar Hundert Meter bergab, so dass ich schon nach knapp zwanzig Minuten in Lobbe war. Von hier f\u00fchrte ein Damm, der als Fu\u00df- und Radweg beschildert ist, parallel entlang der Landstra\u00dfe durch die Felder. Was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Strecke! Der Weg zur\u00fcck nach G\u00f6hren f\u00fchrte durch Felder und ein Waldst\u00fcck und verzweigte sich immer wieder. Zum Gl\u00fcck kann ich mich generell gut orientieren und hin und wieder hat mir auch ein Wegweiser geholfen.<\/p>\n<p>Nach etwa einer Stunde kehrte ich zur\u00fcck ins Hotel. Ich war v\u00f6llig verschwitzt. Mein T-Shirt war so nass, als w\u00e4r ich damit schwimmen gewesen. Mein Zimmer war auch noch unber\u00fchrt, so dass ich schnell duschen ging, meine Sportsachen in einen Beutel verstaute und die Koffer zusammen packte. Mit meinem Strand-Rucksack ging ich an den S\u00fcd-Strand.<\/p>\n<p>Ich hoffte auf ein paar Jugendliche, die Volleyball spielen, aber au\u00dfer Familien mit Kleinkindern und Rentnern sind hier scheinbar keine Touristen. Egal, ich hatte ja auch Musik und ein Buch dabei. Aber erst mal ins Wasser, das wie in Greifswald angenehm warm war. Und vor allem nicht unangenehm salzig wie die anderen Meere, die ich kenne.<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr einer Stunde zog sich der Himmel zusammen und die ersten Menschen verlie\u00dfen den Strand. Viel war auch vorher nicht los, aber jetzt war es pl\u00f6tzlich unheimlich leer. Als es anfing zu tr\u00f6pfeln, ging ich noch einmal ins Wasser. Besser ins warme Nass als von oben kalt berieselt zu werden, dachte ich mir. Neben mir tat es mir eine alte Frau gleich. Wir l\u00e4chelten uns im stillen Einverst\u00e4ndnis zu.<\/p>\n<p>Als wir wieder drau\u00dfen waren und uns abtrockneten, fing es richtig an zu regnen. Na gut, kein Strand mehr\u2026 Ich packte meine Sachen zusammen und ging zur\u00fcck ins Hotel. Allen Menschen, denen ich begegnete, hatten entweder einen Regenschirm aufgespannt oder ein Regencape \u00fcbergeworfen. Ich hatte beides nat\u00fcrlich nicht dabei. Als Einziger auf der ganzen Insel, wie es scheint. Hey Leute, es ist August! Warum nehmt ihr in euren Sommerurlaub Regensachen mit. Wir haben immerhin immer noch 25 Grad\u2026<\/p>\n<p>Im Hotel teilte man mir mit, dass das Zimmer fr\u00fchestens in ein, zwei Stunden fertig sei. Ich fragte nach einem Erlebnisbad mit Sauna und man bot mir an, den Wellness-Bereich im Partnerhotel kostenlos zu benutzen. Sehr sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Ich hatte ein Schwimmbecken mit kleiner Saunakabine erwartet, aber im Waldhotel gab es wirklich einen gro\u00dfz\u00fcgigen Saunabereich mit vier verschiedenen Saunen, zwei Dampfb\u00e4dern und Whirlpool. Und nat\u00fcrlich ein Schwimmbecken. Aber warum auch immer war dort nichts los. Eine junge Familie am Pool und zwei Paare, die sich mit mir den Saunabereich teilten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich den Wellness-Bereich ausgiebig nutzte und mich an den bereitgestellten K\u00f6stlichkeiten (frisches Obst und k\u00fchles Wasser) erfrischte, fiel mir ein Flyer der Massage-Abteilung in die H\u00e4nde. Dort wurde ein Sommer-Special-Angebot beworben: 40 Minuten R\u00fcckenmassage und eine hei\u00dfe Kreide-Packung f\u00fcr 29 Euro. Ein guter Deal, wenn ich bedenke, dass wir an der Nordsee \u00fcber 50 Euro f\u00fcr 45 Minuten gezahlt hatten und diese Leistung hier sonst auch \u00fcber 40 Euro kostet.<\/p>\n<p>Aber wo war die Massage? Der Saunabereich war in sich abgeschlossen, also ging ich nur mit einem umgeworfenen Handtuch bekleidet durch die Umkleide zur\u00fcck ins Foyer. Dort wies eine Rezeptionistin gerade zwei neue G\u00e4ste in die Hotelanlage ein. Als sie fertig war, fragte ich sie nach der Massage und sie f\u00fchrte mich in den Keller. Wohin auch sonst? Ich frage mich, warum die Physio-Therapeuten und Masseure immer im Keller arbeiten m\u00fcssen. Ich glaube, die Menschen, die diese Entscheidung treffen, lassen sich selber gar nicht gern massieren oder anfassen. Wenn dann die \u00dcberlegung kommt, wohin mit der Physiotherapie und Massage, kriegen die den letzten freien Platz zugeteilt: den Keller.<\/p>\n<p>Dort erwartete mich ein riesiges Areal. Ich sch\u00e4tze, dass es mindestens 15 Behandlungsr\u00e4ume gab, an denen ich vorbeilaufen musste, bevor ich an den Empfang kam. Wie \u00fcblich gab es auch hier einen separaten Eingang, damit externe G\u00e4ste nicht wie ich erst durchs halbe Hotel laufen m\u00fcssen, um zu ihrer Behandlung zu kommen. Am Empfang begr\u00fc\u00dften mich gleich vier Therapeuten, die scheinbar gerade eine L\u00fccke hatten und sich ein lustiges Video auf YouTube anschauten.<\/p>\n<p>Ich fragte nach einem Termin. Ich wurde gefragt, wie lange ich denn noch hier sein w\u00fcrde. Morgen um 17h w\u00e4r noch was frei. Und heute? Hmm, kurze \u00dcberlegung. Eine junge Therapeutin kam dazu und sagte, dass sie zwar gleich Feierabend h\u00e4tte, aber eine Massage noch passen w\u00fcrde, wenn ich jetzt sofort behandelt werden wollte. Jippie!<\/p>\n<p>Die Massage war ein Traum. Die Frau hatte geniale H\u00e4nde und massierte mir alle Schmerzen aus dem R\u00fccken. Bei der anschlie\u00dfenden Kreide-Packung w\u00e4r ich fast eingeschlafen. Danach war die Sauna nat\u00fcrlich noch angenehmer. Ich blieb noch, bis mich so kurz vor sieben der Hunger packte. Auf dem Weg zum Hotel holte ich mir im kleinen Supermarkt an der Ecke noch eine Flasche Wei\u00dfwein und einen Korkenzieher f\u00fcr sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Heute wollte ich unbedingt Fisch essen. Ich machte mich in meinem neuen Zimmer schnell ausgehfertig, legte den Wein ins mit kaltem Wasser gef\u00fcllte Waschbecken und spazierte erst einmal zum Nordstrand. Vom Ort musste man erst durch den steil abfallenden Kur-Garten, um an die Strandpromenade zu gelangen. Dort gab es leider nur entweder \u00fcberteuerte Restaurants oder billige Frittenbuden. So spazierte ich an der Promenade entlang, bis ich den Ortsrand erreichte.<\/p>\n<p>Also wieder steil hoch auf die Hauptstra\u00dfe. Dort auch nur die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, die ich gestern Abend schon erkundet hatte. Ungef\u00e4hr auf der halben Strecke zur\u00fcck zum Hotel ging es nach Osten ab und noch einmal steil hinauf. Ich folgte der kleinen Stra\u00dfe und kam noch an ein paar kleinen Hotels vorbei. Zum Schluss machte die Stra\u00dfe noch einen scharfen Bogen und f\u00fchrte zur\u00fcck zur Hauptstra\u00dfe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/ZumLeuchtfeuer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-441 alignnone\" title=\"ZumLeuchtfeuer\" src=\"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/ZumLeuchtfeuer.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/ZumLeuchtfeuer.jpg 533w, https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/ZumLeuchtfeuer-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/a><\/p>\n<h6>Die Gastst\u00e4tte &#8222;Zum Leuchtfeuer&#8220; &#8211; Lecker Fisch<\/h6>\n<p>Auf der H\u00f6he entdeckte ich ein kleines Restaurant mit Aussichts-Terrasse mit dem Namen \u201eZum Leuchtfeuer\u201c. Genau das, was ich gesucht hatte. Die Terrasse war um diese Uhrzeit gut besucht, aber f\u00fcr mich gab es noch einen Tisch. Ich bestellte die gemischte Herings-Platte. G\u00fcnstig, ohne Gr\u00e4ten und sau-lecker! Dazu eine Cola, denn ich f\u00fchlte mich etwas unterzuckert vom ganzen Sport und der Sauna.<\/p>\n<p>Den Abend lie\u00df ich auf meinem Balkon mit Meeresblick ausklingen. In der Kneipe gegen\u00fcber lief Deutschland gegen D\u00e4nemark. Nicht sonderlich spannend aber die Deutschen haben mit ihrer B-Elf wohl ganz anschaulich gespielt. Irgendwie habe ich es geschafft, den Korkenzieher schon bei der ersten Flasche Wein abzubrechen. Den Korken bekam ich zwar noch raus gehebelt, das Ger\u00e4t konnte man danach aber vergessen. Egal, der Wein war lecker und der Schlaf danach umso fester.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern bin ich schon vor meinem Wecker aufgewacht. Drau\u00dfen schien die Sonne und irgendwer fr\u00fchst\u00fcckte lauthals auf seiner Terrasse. 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