{"id":379,"date":"2007-04-25T12:00:01","date_gmt":"2007-04-25T11:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/atvolution.de\/?p=379"},"modified":"2012-07-23T18:21:48","modified_gmt":"2012-07-23T17:21:48","slug":"studium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/leben\/studium","title":{"rendered":"Studium"},"content":{"rendered":"<p>Halli-hallo ihr Lieben!<\/p>\n<p>Ich hab mir mal den Blog hier von Anfang an durchgelesen und musste mit Entsetzen feststellen, dass \u00fcber mein Studium hier ja wirklich kaum etwas steht&#8230; Kein Wunder, dass ihr mich immer wieder gefragt habt, ob ich denn auch etwas anderes als Party hier mache&#8230; Also, jetzt mal einen Bericht \u00fcber mein Studium&#8230;<\/p>\n<p>Im Oktober habe ich auf Einladung des guten Prof. Bezaks hier in Bratislava mit meinem Studium angefangen. Erst hie\u00df es, ich k\u00f6nnte mit meinem FH-Diplom sofort promovieren, dann hie\u00df es, dass ich noch ein paar Scheine und eine kleine Master-Thesis schreiben sollte, w\u00e4hrend ich aber schon mit der Doktorarbeit anfangen k\u00f6nnte, und schlie\u00dflich mache ich einen verk\u00fcrzten Master, bevor ich dann in diesem Herbst mit einer Promotion anfangen darf. Verk\u00fcrzt deshalb, weil ich die Scheine von K\u00f6ln alle anerkannt bekommen habe, und lediglich noch ein paar Scheine machen muss, die in K\u00f6ln nicht angeboten wurden.<\/p>\n<p>Da ich ohne Slowakischkenntnisse hierhin gekommen bin, sollte dieses Studium komplett auf Deutsch sein, so dass Prof. Bezak &#8211; der flie\u00dfend Deutsch spricht &#8211; 7 von den 12 Arbeiten betreuen wollte, den Rest bei Professoren, die zumindest ganz gut Deutsch k\u00f6nnen. Parallel dazu besuche ich zweimal die Woche einen Slowakischkurs, um hier zumindest ein bisschen kommunizieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bis Januar hatte der Bezak aber kaum Zeit f\u00fcr mich, so dass er mich lediglich in das normale Studienprogramm schickte, wobei ich im Wintersemester nur drei von meinen 12 Scheinen belegen konnte. Das hie\u00df, dass ich in slowakischen Vorlesungen und Seminaren sa\u00df, und slowakische Aufgabenstellungen bekam, die ich gn\u00e4digerweise aber auf Deutsch bearbeiten durfte. Die drei Scheine, die ich individuell beim Bezak machen sollte, fanden nicht statt.<\/p>\n<p>Wie ich irgendwann im Laufe des Semesters dann erfuhr, bestand jeder Schein nicht wie bei uns aus einer Klausur, sondern aus einem Projekt mit abschlie\u00dfender m\u00fcndlicher Pr\u00fcfung beim Professor. Der Bezak konnte mir vor Weihnachten leider noch nicht sagen, wann denn der Pr\u00fcfungszeitraum ist, so dass ich meine Heimfahrten plante, ohne darauf R\u00fccksicht zu nehmen. Nat\u00fcrlich genau w\u00e4hrend der H\u00e4lfte des Pr\u00fcfungszeitraums. Die Slowaken hatten sich nat\u00fcrlich schon alle vor Weihnachten daf\u00fcr angemeldet. Das hatte ich aber nicht mitbekommen, weil ich die letzten Wochen vor Weihnachten keine Vorlesungen und Seminare mehr besuchte, da ich dort schlie\u00dflich nur eine 0-Prozentige Chance hatte, etwas zu verstehen. Im Januar, als ich vom Weihnachtsurlaub zur\u00fcck kam, war der Bezak entsetzt, dass ich mich noch nicht f\u00fcr die Pr\u00fcfungen angemeldet hatte. Ich fragte ihn, wo und wie ich das h\u00e4tte machen sollen, worauf hin er mich glaube ich f\u00fcr dumm und unf\u00e4hig erkl\u00e4rte. War ja auch ganz einfach. Man musste sich ja nur auf der slowakischen Homepage der STU auf die Anmeldungsseite durchklicken, sich dort mit Name und Passwort registrieren lassen und dann f\u00fcr die Pr\u00fcfungen anmelden. Passwort? Ja, da m\u00fcsste ich doch nur zu der ausschlie\u00dflich slowakisch sprechenden Sekret\u00e4rin gehen, und mir eins geben lassen. Dankesch\u00f6n! Das Passwort habe ich \u00fcbrigens bis heute nicht.<\/p>\n<p>Also erst mal frustriert wieder nach Hause Arbeiten und Karneval feiern, um mich ein bisschen abzulenken. Als ich im M\u00e4rz wieder kam, bekam ich den n\u00e4chsten Anschiss vom Bezak. Was mir einfallen w\u00fcrde, so viel zu Hause zu sein. Das Semester hatte ja schlie\u00dflich schon eine Woche angefangen. Na ja, von irgendetwas muss ich ja leben, auch wenn hier alles sehr g\u00fcnstig ist. Aber hier einen Job anzufangen ist ziemlich schwachsinnig bei Stundenl\u00f6hnen zwischen 1,50 und 2 Euro. Wenn ich da einen Tag gearbeitet habe, habe ich das Geld, was ich im Aggua in 1,5 Stunden verdiene. Er meinte, zu seiner Zeit h\u00e4tten die Studenten nicht so viel Geld gebraucht und was ich mit dem vielen Geld denn machen w\u00fcrde&#8230; Hallo? Ich bin Diplom-Ingenieur und muss mir mit einem Slowaken ein 20m\u00b2-Zimmer ohne K\u00fcche und Balkon teilen, lebe auf einem sehr bescheidenen Level, und k\u00f6nnte ohne Unterst\u00fctzung von zu Hause dieses Studium gar nicht absolvieren.<\/p>\n<p>Egal, Ansichten eines alten Mannes&#8230; Jedenfalls bestand ich darauf, dass er sich wenigstens am Anfang des Sommersemesters &#8211; also im M\u00e4rz &#8211; mal eine Stunde Zeit f\u00fcr mich nimmt, um einen Plan f\u00fcr die restlichen Scheine zu machen. Jetzt erfuhr ich auch, dass seit diesem Jahr die Diplomarbeit nicht am Ende des Semesters, sondern wie ein gew\u00f6hnlicher Schein im Laufe des Semesters geschrieben werden muss. Oh, ich h\u00e4tte also schon damit anfangen m\u00fcssen. Super Herr Bezak! Nachdem ich wusste, wer meine verantwortlichen Professoren waren, konnte ich mir dort die \u00dcbungen abholen. Die einzigen Projekte, die ich noch nicht habe, sind die von Herr Bezak. Ach ja, er wollte mich auch im Sommersemester wieder in slowakische Vorlesungen und Seminare stecken, wogegen ich mich aber geweigert habe. Jetzt h\u00e4lt er mich f\u00fcr faul. Er sagt, ich h\u00e4tte die H\u00e4lfte der Scheine schon haben k\u00f6nnen, wenn ich jeden Tag um 9 in der Uni gewesen w\u00e4re, und regelm\u00e4\u00dfig am Unterricht teilgenommen h\u00e4tte. Ach ja, das versprochene B\u00fcro in der Uni, habe ich nat\u00fcrlich nicht bekommen. Ich habe zwar die M\u00f6glichkeit, den Computerraum dort zu benutzen, aber auf den Computern dort ist kaum Software installiert und l\u00e4sst sich auch von Nicht-Administratoren nicht installieren, und sie besitzen zudem keine deutsche Textverarbeitung (auch deinstalliert). Also arbeite ich hier, ist mir auch lieber&#8230;<\/p>\n<p>Letzte Woche (April!) habe ich dann auch mal die Aufgabenstellung f\u00fcr meine Diplomarbeit bekommen, die am 18.5 fertig sein soll. Nat\u00fcrlich auf Slowakisch. ich habe mich bei ihm bedankt und ihn gefragt, wie er sich vorstellt, dass ich die bearbeiten soll, wenn ich nicht wei\u00df, was ich machen soll. Er sagte mir, er h\u00e4tte keine Zeit, mir das auf Deutsch zu \u00fcbersetzen, er h\u00e4tte schlie\u00dflich Wichtigeres zu tun. Ich sollte mir einen Deutsch-sprechenden Studenten suchen, der mir das \u00fcbersetzen kann. Und warum ich nicht schon l\u00e4ngst Slowakisch k\u00f6nnte? Weil ich erst ein halbes Jahr hier bin? Aber er kennt ein paar Vietnamesen, die bereits nach drei Monaten slowakische Vorlesungen besucht h\u00e4tten. Ich hab sogar schon vom ersten Tag slowakische Vorlesungen besucht, aber die werden so wenig verstanden haben wie ich&#8230;<\/p>\n<p>Egal, nicht \u00e4rgern&#8230; Ich werd schauen, dass ich so viele Scheine wie m\u00f6glich bis zum Sommer fertig habe, vielleicht sogar die Diplomarbeit. Wenn ich es schaffe, und der Bezak das noch unterst\u00fctzt, habe ich dann einen Master-Titel und werde mich nach einem neuen Doktorvater umschauen. Am liebsten in der Slowakei, weil es mir hier sehr gut gef\u00e4llt und ich wahrscheinlich ab September ein Stipendium kriege, aber ich werde mich auch in anderen St\u00e4dten Europas, vor allem in Darmstadt und M\u00fcnchen, erkundigen, ob ich dort eine M\u00f6glichkeit habe. Ansonsten werde ich auch ohne abgeschlossenen Master meine Scheine von hier mitnehmen. Vielleicht finde ich einen Doktorvater, dem das reicht, ansonsten schaue ich, dass ich so viele Scheine wie m\u00f6glich anerkannt kriege, um so schnell wie m\u00f6glich woanders den Master zu erlangen und anschlie\u00dfend zu promovieren.<\/p>\n<p>Wie auch immer es ausgeht, ich hatte und habe immer noch eine tolle Zeit hier. Das Studium ist nicht alles im Leben, auch wenn es gewisse Menschen anders sehen. Ich habe ganz tolle Menschen hier kennengelernt, habe gute und schlechte Erfahrungen gemacht und werde die Slowakei immer in guter Erinnerung bewahren.<\/p>\n<p>Das klingt schon wie ein Abschied, obwohl es noch lange keiner ist, aber ich habe erst in den letzten Tagen realisieren k\u00f6nnen, wie meine Situation hier ist. Vorher habe ich mich immer sehr ge\u00e4rgert, dass ich hier gegen W\u00e4nde laufe, mir st\u00e4ndig Kn\u00fcppel zwischen die Beine geworfen werden &#8211; warum auch immer, das habe ich bis heute nicht verstanden &#8211; und nicht vorw\u00e4rts komme, weil ich ein Ziel hatte, das ich nicht erreichen konnte. Ich bin sehr ehrgeizig und hochmotiviert hierhin gekommen, wollte viel erreichen und habe dieses Studium zu sehr in den Mittelpunkt r\u00fccken lassen. Jetzt sehe ich es sehr entspannt und habe keine Angst mehr, etwas nicht schaffen zu k\u00f6nnen. Die Zukunft hat noch viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr mich offen. Mit ein bisschen Gottvertrauen und ein bisschen Engagement von meiner Seite nehme ich den Lauf der Dinge jetzt ganz K\u00f6lsch:<\/p>\n<p>&#8222;Et es wie et es&#8220;,<br \/>\n&#8222;Et k\u00fctt wie et k\u00fctt&#8220; und<br \/>\n&#8222;Et h\u00e4tt noch immer jot jejange&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Halli-hallo ihr Lieben! 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