{"id":194,"date":"2006-11-01T16:52:02","date_gmt":"2006-11-01T15:52:02","guid":{"rendered":"http:\/\/atvolution.de\/?p=194"},"modified":"2012-07-23T18:22:38","modified_gmt":"2012-07-23T17:22:38","slug":"bratislava","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atvolution.de\/wordpress\/leben\/bratislava","title":{"rendered":"Bratislava"},"content":{"rendered":"<p>Es geht los. Das n\u00e4chste gro\u00dfe Abenteuer in meinem Leben. Es hei\u00dft Bratislava und liegt etwa 1000km s\u00fcd\u00f6stlich von K\u00f6ln. Hier werde ich voraussichtlich die n\u00e4chsten drei Jahre mein Leben verbringen und an der Slowakisch-Technischen-Universit\u00e4t (STU) meine Doktorarbeit schreiben. Die Einladung dazu habe ich von meinem jetzigen Doktorvater Prof. Bystrik Bezak erhalten, nachdem ich als erster K\u00f6lner Bauingenieur-Student letztes Jahr im Rahmen einer neuen Kooperation zwischen den beiden Hochschulen bereits in meiner Diplomarbeit ein Projekt in Bratislava bearbeitet hatte.<\/p>\n<p>Anfang Oktober bin ich erstmal mit dem Flugzeug hierhin gejettet, um mir ein Bild von meiner neuen Situation machen zu k\u00f6nnen. Ich habe hier dann auch direkt mein Zimmer im Studentenwohnheim \u201eBernol\u00e1k\u201c bezogen, was ich zusammen mit einem slowakischen Doktoranden bewohne. Es ist etwas kleiner als meine Bude in K\u00f6ln, aber vom Aufbau her identisch. Es hat jedoch keine K\u00fcche, die ist am Anfang des Ganges, so dass ich mir die beiden Herdplatten mit etwa 40 Studenten teilen muss. Das machte am Anfang aber gar nichts, denn ich hatte ja weder Geschirr noch sonstige K\u00fcchen-Utensilien dabei.<\/p>\n<p>Mit Herrn Bezak besprach ich dann meinen Vorlesungsplan, da ich ja noch ein paar Scheine machen soll, um zus\u00e4tzlich zu meinem K\u00f6lner Diplom auch den Bratislavischen Master in der Tasche zu haben. Der hatte ansonsten recht wenig Zeit f\u00fcr mich, da er ein echter Workaholic ist. Jeden Tag von sechs bis sechs in der Uni, und trotzdem kriegt er nicht alles geschafft! Sein B\u00fcro sieht aus, als h\u00e4tte er einen Vertrag mit der Papier-Industrie&#8230;<\/p>\n<p>Zwei meiner Vorlesungen \u2013 eigentlich Projekte, aber ich muss mir trotzdem noch ein paar Vortr\u00e4ge anh\u00f6ren \u2013 sind auf Slowakisch! Bei Prof. Nemcek verstehe ich kein Wort, obwohl er sehr nett ist, und er malt h\u00f6chstens mal ein paar Bilder an die Tafel. Aber mein pers\u00f6nlicher deutsch-sprechender Assistent Viktor meint, dass selbst die Slowaken in dieser Vorlesung nichts verstehen w\u00fcrden, auch wenn sie die Worte verstehen. Sehr beruhigend! Ich weiss aber immerhin, dass es um Knotenpunkte geht. Momentan um Verbindungsstra\u00dfen an Autobahnkreuzen und Autobahn-Auf- und Abfahrten. Das tschechische Computerprogramm, dass er benutzt, f\u00fcr Studenten aber nicht zug\u00e4nglich ist, st\u00fcrzt andauernd ab, so dass wir zwischendurch auf Viktors Laptop Strip-Poker spielen. Zum Gl\u00fcck findet das Ganze Montags Nachmittags statt, so dass ich nicht in Versuchung gerate, diese spannende Vorlesung aus Versehen verschlafen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das andere Projekt, dass ich auf Slowakisch zu absolvieren habe ist ein Computerprogramm, dass wir schreiben sollen. Als ich in der zweiten Woche zum ersten Mal dort auftauchte, waren die anderen schon in der vierten Woche. Die Professorin machte mich, nachdem ich mich bei ihr (auf Slowakisch!) vorgestellt hatte, erstmal dumm (auch auf Slowakisch!) an, warum ich erst jetzt auftauchen w\u00fcrde, wo denn meine Vorleistung w\u00e4r, dass ich doch gar keine Chance mehr h\u00e4tte, das Projekt noch erfolgreich zu absolvieren und ich vielleicht mal mit Herr Nemcek reden sollte und warf mich wieder aus dem Computerraum&#8230; (Ich hab nat\u00fcrlich kein Wort verstanden, aber Herr Bezak hat mir das nachher erz\u00e4hlt)<\/p>\n<p>Also ging ich zu Herrn Nemcek, der nat\u00fcrlich nicht da war, und auch Herr Bezak war nicht da, und so wartete ich erstmal eine Stunde auf einen der Beiden. Die kamen dann auch etwa zur selben Zeit, ich berichtete kurz, und Herr Nemcek zeigte mir dann die Vorleistung, die im Semester zuvor behandelt wurden war. Es war eine K\u00f6rnungs-Sieblinie, wie man sie im Beton- oder Asphaltbau braucht. Die hatten die Studenten durchgef\u00fchrt und berechnet und sollten sie jetzt per Excel auch variabel und graphisch darstellen. Also gab er mir eine alte Rechnung eines Studenten mit und ich ging mit Herrn Bezak zu Frau Tomasikova. Er erkl\u00e4rte ihr dann den Sachverhalt und \u00fcberredete sie, mir doch einen Rechner zur Verf\u00fcgung zu stellen, obwohl nur noch ein halbe Stunde Zeit war und das der letzte Tag f\u00fcr dieses Projekt sein sollte.<\/p>\n<p>Die gute Frau wusste nicht, dass ich schon als Grundsch\u00fcler Computer programmiert habe und die Bau-Informatik-Vorlesung in K\u00f6ln nicht besuchen brauchte, weil der Prof dort merkte, dass ich leicht unterfordert war. Ich m\u00f6chte hier nicht prahlen, aber Computer sind ein Gebiet, in dem es \u00dc30s nun einmal schwer haben, weil es zu ihrer Kindheit noch keine Home-Computer gab! Die jetzigen U20s sind mir ja auch bei weitem Voraus, auch wenn mir die Bedienung sehr leicht f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Kurz gesagt, ich war in zwanzig Minuten mit dem Programm fertig, was die gute Frau Tomasikova im Computerraum vor den anderen Studenten aber scheinbar nicht sehr ber\u00fchrte. Als ich aber eine halbe Stunde sp\u00e4ter beim Bystrik im B\u00fcro sa\u00df, kam sie herein, und redete sehr aufgew\u00fchlt auf Slowakisch mit diesem. Ich verstand immer nur: Dvadsat minuty, dvadsat minuty! (20 Minuten) Als sie ging, meinte der Bystrik nur, ich sollte nicht auf die Idee kommen jetzt mit erhobener Nase durch die Gegend zu laufen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht los. Das n\u00e4chste gro\u00dfe Abenteuer in meinem Leben. Es hei\u00dft Bratislava und liegt etwa 1000km s\u00fcd\u00f6stlich von K\u00f6ln. 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