Archiv für den Monat: November 2016

Das Geschäft geht vor

Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht.

– Konfuzius

Gestern hat die Tagesschau über den 100-Tage-Plan vom neuen amerikanischen Präsidenten berichtet. Trump möchte sich demnach wirtschaftlich von internationalen Abkommen lösen und eine nationale Wirtschaftsunion stärken. Außerdem will er Umweltauflagen lockern und die gesetzliche Krankenversicherung schwächen. Diese Maßnahmen sollen Arbeitsplätze schaffen und Amerika gegenüber anderen Wirtschaftsräumen stärken.

Das möchte ich jetzt gar nicht bewerten, viel interessanter fand ich in diesem Zusammenhang den ausführlichen Beitrag der Tagesschau, wie deutsche Unternehmen trotz diesesr Maßnahmen sehr gute Geschäfte machen können. Dazu wurden drei Beispiele genannt:

  1. Bilfinger: Der Bauriese hofft darauf, bei der Erschließung weiterer Öl- und Gasvorkommen in den USA seine Technik und Expertise verkaufen zu können. Wenn Trump z.B. das umstrittene, weil umweltbelastende Fracking bundesweit genehmigt, kann Bilfinger damit viel Geld verdienen.
  2. Aesculap: Der Medizintechnik-Hersteller beschwert sich in dem Beitrag über die Preisbremse für seine Produkte aufgrund der von Obama eingeführten gesetzlichen Krankenversicherung (kennen wir aus Deutschland: Privatpatienten zahlen für die gleiche Leistung ein Vielfaches des Beitrags, den die Krankenkassen für ihre Mitglieder zahlen). Das könnte sich ändern, wenn die gesetzliche Krankenkasse in den USA gelockert wird, so dass Aesculap mit ihren Produkten wieder sehr viel Geld verdienen kann.
  3. Heckler & Koch: Mein Lieblingsbeispiel, hauptsache Geschäfte machen! Mit Trump als Präsident verspricht sich die deutsche Rüstungsindustrie weitere Abkommen, um noch mehr Waffen verkaufen zu können. Also an amerikanische Unternehmen. Keine Sorge, die werden nicht eingesetzt. Also nicht in den USA… Dafür wahrscheinlich in Kolumbien. Um die Guerillakämpfer dort auszurüsten, die die Gewerkschafter in den Kohlebergwerken (mund-)tot machen sollen. Dann kann man dort noch günstiger Kohle abbauen und günstigen Kohlestrom in den USA produzieren.

Nach dem Beitrag die Aktienkurse. Die Börse hat sich wieder erholt, die Superzahl lautet 42.

Geschäfte gehen vor Umwelt, Gesundheit und Frieden

Geschäfte gehen vor Umwelt, Gesundheit und Frieden

Was sollte denn dieser Beitrag bitte bewirken, liebe Tagesschau. Es kann uns egal sein, welcher Präsident die USA regiert, hauptsache die Geschäfte laufen? Scheiß auf Umwelt, Gesundheit, soziale Standards und Frieden, hauptsache die deutschen Unternehmen machen dadurch Profit? Um dann an Weihnachten wieder Geld einzusammeln für die Opfer von Umweltkatastrophen, Ausbeutung und Krieg? Oder nächstes Jahr wieder über die überaschenderweise angestiegenden Flüchtlingszahlen nach Europa zu berichten, die niemand voraussehen konnte?

Ich will nicht behaupten, dass Hillary Clinton der angenehmere Weltpolitiker geworden wäre, oder dass Donald Trump das Monster ist, zu dem er in den Medien gemacht wurde. Für so eine Beurteilung liegen mir zu wenige Informationen vor (im Wahlkampf wurden beide Kandidaten hauptsächlich auf ihre Persönlichkeit hin beurteilt).

Aber mal ganz ehrlich: mit eurer Argumentationskette kann man auch Geschäfte mit den übelsten Unrechtsregimen auf der ganzen Welt rechtfertigen.

Ach so, stimmt… Wird ja längst gemacht:

  • Ägypten
  • China
  • Iran
  • Jemen
  • Kongo
  • Myanmar
  • Nigeria
  • Oman
  • Pakistan
  • Saudi-Arabien
  • Simbabwe
  • Syrien
  • Thailand
  • Türkei
  • Venezuela
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Weißrussland
  • Zentralafrikanische Republik

Nur zu Geschäftsbeziehungen mit Nordkorea konnte ich auf die Schnelle nichts finden. Obwohl, wer weiß…

Jedes Brandopfer ist eins zu viel

In den letzten Tagen ist mir diese Plakatwerbung ins Auge gestochen:

Beworben wird hier zwar die Rauchmeldetechnik der Firma ABUS, aber irgendwie muss ich bei diesem Spruch unweigerlich an die vielen Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland denken.

Ja, JEDES Brandopfer ist eins zu viel! Nicht nur wenn es ein blondes deutsches Mädchen wie auf dem Bild ist 😉

Lavendellikör

Jippie, der Lavendellikör ist fertig!!!

Lavendel in voller Blüte

Lavendel in voller Blüte

Ab in die Flasche

Ab in die Flasche

Der fertige Lavendellikör

Der fertige Lavendellikör

Rezept:

  • 750ml klaren Schnaps (Wodka, 40% Alk)
  • 1 Büschel Lavendelblüten (verblüht)
  • 100g Kandiszucker
  • 100g (Rohrohr-) Zucker
  • 1 Messerspitze Vanillemark
  • 350ml Wasser

Lavendelblüten in den Wodka einlegen.

Dunkel lagern.

Nach 30 (!) Tagen Zucker, Vanille und Wasser zusammen erhitzen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. In der Zwischenzeit mit einem Sieb die Lavendelblüten aus dem Schnaps absieben. Zuckerwasser abkühlen lassen, mit Landelschnaps mischen und in Flaschen füllen.

Kalt pur oder heiß im Tee genießen.

Meine verpasste Chance beim AWD-Nachfolger Swiss Life Select

Vergangene Woche bekam ich per Xing ein Jobangebot, das mich doch ein wenig stutzig gemacht hat:

Lieber Herr de Stefano,
als selbständiger Unternehmer betreibe ich aktives Personal-Recruiting und wurde dabei auf Ihr Profil aufmerksam.
Für die weitere Verstärkung unserer Finanzkanzlei in Köln/Düsseldorf suchen wir engagierte, kontaktfreudige und zielstrebige Menschen. Mein erster Eindruck von Ihnen deckt sich mit unseren Anforderungen. Allerdings kann dies ein persönliches Gespräch nicht ersetzen. Sollten Sie daher einem sehr guten Angebot positiv und offen gegenüberstehen, freue ich mich auf Ihre Antwort.
Beste Grüße, xxx

Das Angebot kam von einem selbstständigen Vertiebler der Swiss Life Select und hat mich deshalb stutzig gemacht, weil ich Bauingenieur bin und mit der Finanzwelt beruflich ziemlich wenig zu tun habe.

Ein Klick bei meinem Suchanbieter ergab, dass die Swiss Life Select das Nachfolgeunternehmen des von Mr. Unsympath Carsten Maschmeyer gegründeten Unternehmen AWD ist.

Für die jüngeren Leser unter euch: Carsten Maschmeyer hat in den 90er Jahren mutmaßlich die Wahlkämpfe von Gerhard Schröder unterstützt, ihm damit zur Kanzlerschaft verholfen und durfte 2002 mutmaßlich als Gegenleistung die Rentenreform nach seinen Wünschen diktieren. Seine Produkte passten dadurch genau auf die neuen Gesetze, Carsten Maschmeyer wurde steinreich und tausende Menschen schlossen eine für sie wertlose private Zusatzrente ab, weil die SPD bei der gesetzlichen Rente ordentlich kürzte (Warum die Riesterrente scheiße ist, erfährt man mit wenigen Klicks im Netz).

Die Niedersachsen-Connection

Und für so ein Drecksunternehmen soll ich arbeiten? Ernsthaft? Ich soll zu den Verlierern der Gesellschaft gehen und ihnen noch die letzten Euros aus den Taschen abschwatzen. Und wenn ich gut bin, viele Verträge abgeschlossen habe und noch ein paar mehr dumme Vertreter angeworben habe, habe ich in diesem Schneeballsystem sogar die Chance, Karriere zu machen?

Sorry, ich wurde schon vor 15 Jahren von einem AWDler angesprochen und der konnte mich nicht überzeugen, diese einmalige Gelegenheit zu ergreifen und mit 35 Jahren mit vollen Taschen auszusteigen und mit der eigenen Yacht zu fahren. Verdammt, jetzt bin ich 35 und fahre nur Fahrrad und meine Kinder haben die Taschen voll – also mit Kieselsteinen und Duplo-Figuren…

Er selbst ist nach zwei Jahren ausgestiegen. Mit einem Haufen Schulden (ja, wenn ein Vertrag platzt, muss man die Provision wieder zurückbezahlen, auch ein Jahr später noch!) und einem geschrumpften Freundeskreis (in seiner Verzweiflung hatte er ziemlich erfolglos versucht, seiner Familie und seinen Freunden Versicherungen anzudrehen und sie ebenfalls als Vertreter anzuwerben).

Kleiner fun-fact am Rande: Den AWD-Aussteigern wurde gerichtlich untersagt, ihre Erfahrungen im Netz zu veröffentlichen…

Also:

Lieber Herr xxx,

ihr sehr „gutes Angebot“ können Sie sich gerne sonstwo hinschieben. Ich habe kein Interesse daran, Teil eines Schneeballsystems zu werden, in dem man nur erfolgreich wird, wenn man einerseits mit allen Mitteln ahnungslosen Menschen schwachsinnige Versicherungspolicen verkauft und andererseits ahnungslose Menschen dazu anwirbt, selbst anderen ahnungslosen Menschen schwachsinnige Versicherungspolicen zu verkaufen.

Ihr Unternehmen war vor 20 Jahren als AWD schon beschissen und ist mit dem neuen Namen nicht besser geworden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrem Leben und hoffe, dass Sie erkennen, welche Werte wirklich im Leben zählen.

Mit freundlichen Grüßen aus Köln,

André De Stefano